Demonstration bei Dragahn am 24. März 1984, Bild: Zint
Demonstration bei Dragahn am 24. März 1984, Bild: Zint

Ein Wortbruch als Motor für den Widerstand gegen die WAA

Das kleine Örtchen Dragahn liegt mitten im großen Naturpark "Elbufer-Drawehn": 13 Häuser, 35-Seelen, eine Försterei, ein Bushäuschen, viele Damhirsche und das abgeschirmte Gelände einer Delaborieranlage. Alles sehr geheimnisumwittert.

Nach erheblichen Protesten gegen die Errichtung eines "Nuklearen Entworgungszentrums" in Gorleben - nur 30 Kilometer entfernt von hier - verkündete der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht im Mai 1981, er werde einer nuklearen Wiederaufarbeitungsanlage im Landkreis Lüchow-Dannenberg "auf keinen Fall zustimmen, von wem auch immer der Antrag gestellt werden mag".

Der Wortbruch kam im November 1982: Ministerpräsident Albrecht unterrichtet die Kommunalpolitiker von der Absicht der Niedersächsischen Landesregierung, Dragahn als Standort für eine WAA vorzuschlagen.

Hördokument von Jo Wichmann (NDR):

Die Abstimmung über die Standortprüfung einer WAA in Dragahn auf einer Ratssitzung in Karwitz 1983. Die Veranstaltung fand unter Polizeischutz statt, Gemeinderatsmitglieder konnten sich auf Wunsch von Polizeikräften nach Hause begleitet werden.

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Die Nachricht löste im Wendland ein politisches Beben aus. Schon kurz darauf demonstrierten Tausende gegen die angekündigte Plutoniumfabrik. Auch in der Kirche regte sich Protest. Alle zwölf Pastoren des örtlichen Kirchenkreises warfen Albrecht öffentlich vor, "unverantwortlich mit der Wahrheit" umzugehen. Im Januar 1983 spricht sich der Kreistag für die "Prüfung" von Dragahn aus, doch rund 76 Prozent der Wahlberechtigten in der Gemeinde Karwitz lehnen die Pläne per Unterschrift ab.

Es kommt plötzlich Leben in den verwaisten Wald. Demonstrationen mit Treckern, flammige Reden und Gesang von einem alten Hänger folgen. Im Mai 1983 wir das alte Bahnwärterhaus am Karwitzer Zubringer-Bahndamm zum Anlaufpunkt für Debatten und Treffpunkt für Aktionen. Am 1. Juni 1983 rückten in aller Frühe Bagger an und walzten das Bahnwärterhäuschen platt.

Aufgrund des heftigen Widerstands in der Region wurden die Pläne für eine WAA in Dragahn im Februar 1985 schließlich fallengelassen.

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