Treckerblockade in Splietau am 4. März 1997, Foto: Eckehard Niemann
Treckerblockade in Splietau am 4. März 1997, Foto: Eckehard Niemann

Castortransporte wirtschaftlich und politisch unbezahlbar machen

Als der dritte Castortransport am 4. März 1997 Lüchow-Dannenberg erreichte, herrschte dort bereits Ausnahmezustand. Besetzte Kreuzungen, unterhöhlte Straßen, angekettete Aktivisten auf den Schienen. Der Bahnhof Dannenberg, wo man die sechs Castorbehälter mit hochradioaktiven Abfällen auf Tieflader hievte, wurde von tausenden Atomkraftgegnern blockiert, während in Splietau 80 ineinander verkeilte Trecker die Route ins Gorlebener Zwischenlager versperrten. Mitglieder der Bäuerlichen Notgemeinschaft hielten hier schon seit Tagen die Stellung.

Aus Sicht der Demonstrierenden hatte das Zwischenlager eine Schlüsselfunktion, um das Problem der ungelösten nuklearen Entsorgung zu vertuschen, die weitere Produktion von Atommüll zu ermöglichen und den geologogisch ungeeigneten Endlagerstandort Gorleben zu zementieren.

Durch die Protestaktionen sollten die Transporte wirtschaftlich und politisch unbezahlbar werden, was schließlich auch gelang: Nach dem 13. Castortransport im November 2011 war Schluss.

Der "Bräsik-Pokal"

Beim Castor-Transport 2002 ist von der Bäuerlichen Notgemeinschaft ein neues Dorf bei Splietau gegründet worden. Das Dorf „Alt Bräsig“ hatte so Einiges zu bieten. Unter der großartigen und einzigartigen, polizeieigenen Flutlichtanlage konnten abendliche und nächtliche Sportaktivitäten stattfinden. Und so fanden in den Castor-Transporttagen immer mehr Teams den Weg nach „Alt Bräsig“ und jagten dem Fußball nach. Doch das wohlige Sonntags-Nachmittag-Fußball-Gefühl kam in diesen Tagen nicht auf.

So entstand die Idee, den regelmäßig um den Alt-Bräsig-Pokal zu spielen und es wurde im Juni 2003 der Wild Wendish Cup ins Leben gerufen. Bei herrlichem Sonnenschein wurde das Turnier unkonventionell und mitunter chaotisch ausgetragen. Es war ein Spektakel der besonderen Art: Mit Spaß und Lebensfreude wurden vor dem nächsten Castortransport auf dem grünen Rasen ausgiebig Tempogegenstoß, Sturmlauf, Verteidigung, Raumdeckung, fiese Bananenflanken und wendländische Geschlossenheit geübt.

Am Ende des Turniers blieben jedoch einige Fragem offen: Ist es überhaupt gewaltfrei, einen Fußball zu treten? Kann das gegnerische Team durch eine Sitzblockade aufgehalten werden? Kann man gegen rote Karten Widerspruch beim Amtsgericht einlegen?
Es traten zehn Mann-/Frauschaften an, diesmal ohne Polizei. Mit von der Partie waren FC Flinke Kralle, Wendland Piraten, Black Block Panther, IDAS zensiert, FC Bauern u.a.

Dieses regelunkonforme Fußball-Turnier wurde von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow- Dannenberg veranstaltet und erneut in den Jahren 2004 und 2006 ausgetragen.

Polizisten zerstechen die Treckerreifen

1997: Hubschraubereinsatz gegen die Treckerblockade der Notgemeinschaft

Kontext, aus der TAZ: In einer Blitzaktion zerstachen etwa 25 Polizisten am Mittwoch [05.03.1997] zwischen 11 und 12 Uhr die Reifen von 30 Traktoren, die auf der Straße in Splietau ineinander verkeilt dem Castor den südlichen Weg nach Gorleben versperrt hatten. Sachschaden etwa 70.000 Mark. Die Kosten, die keine Versicherung übernimmt, sind geeignet, die „Bäuerliche Notgemeinschaft“ in den Ruin zu treiben, „eine Racheaktion“, so deren Sprecherin Susanne Kamien.

Der Castor rollte schon auf der Bundesstraße 191 nach Gorleben. Sechs BGS-Hubschrauber drehten plötzlich nach Süden ab. Zwei landeten auf einer Wiese und lenkten damit von den vier anderen ab, die am Ortsrand von Splietau niedergingen. Die Polizisten liefen mit Stichmessern, Schraubenziehern und Seitenschneidern zu den Treckern und stachen zu. Ein Reifen nach dem anderen verlor die Luft, Gefrierschutzmittel sickerte in den Boden. Landwirte aus den umliegenden Häusern erhielten von der Stechertruppe kein Wort der Erklärung. Die Polizisten schienen sich gut auszukennen. Die Trecker, die den exponiertesten Vertretern der „Notgemeinschaft“ gehören, zum Beispiel Hermann Bammel, erhielten die meisten Stiche. Insgesamt wurden 44 Reifen durchstochen und bei weiteren 16 die Ventile durchschnitten. Nach kaum fünf Minuten verschwand die Truppe.

Quelle: https://taz.de/!1410546

1997 - Während des Castortransports in Splietau. Foto: Lowin
1997 - Während des Castortransports in Splietau. Foto: Lowin
November 2002 - während des Castortransports. Foto: Lowin
November 2002 - während des Castortransports. Foto: Lowin
März 1997 - Treckerblockade in Splietau
März 1997 - Treckerblockade in Splietau
1997 - Während des Castortransports in Splietau.
1997 - Während des Castortransports in Splietau.
November 2010: Kundgebung vor dem Castortransport. Foto: Lowin
November 2010: Kundgebung vor dem Castortransport. Foto: Lowin
März 1997 - Treckerblockade in Splietau
März 1997 - Treckerblockade in Splietau
1997 - Während des Castortransports in Splietau.
1997 - Während des Castortransports in Splietau.
März 1997 - Straßenunterhöhlung bei Castortransport
März 1997 - Straßenunterhöhlung bei Castortransport
März 1997 - Castorcamp in Splietau. Foto: Lowin
März 1997 - Castorcamp in Splietau. Foto: Lowin
logos